RADIO helle welle

mit der besten Nachricht

26. Januar 2018
von Jonathan
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„Manchmal sitzt man und schweigt“ – Gedanken zur Ideenlosigkeit

Ein Professor meinte in seinem Seminar „Storytelling“, dass jeder etwas erlebe und deswegen auch jeder Geschichten erzählen könne. Diese Aussage war mir damals – das Seminar liegt schon einige Semester zurück – eine Ermutigung. Als Radiomoderator ist man herausgefordert, sogenannte „Hinhörer“ zu bringen, also Aufmerksamkeit zu erregen oder kurz: Geschichten zu erzählen. Das eine ist nun, zu wissen, dass man auf jeden Fall ein Erlebnispotenzial in sich trägt, das zur Erzählung gemacht werden kann. Das andere ist die Erfahrung, dass dieses Potenzial nicht immer abrufbar zu sein scheint. Wie sonst erklärt sich der Umstand, dass ich schon oft im Studio saß und dachte: „Was ist deine Geschichte?“, „Was hast du erlebt?“ oder „Was hast du zu sagen?“ In diesen Situationen umgibt mich eine einschüchternd nichtssagende Ahnungslosigkeit und suche ich vergeblich das relevante Gedanken- oder Erlebnisgut der vergangenen Tage. Es ist ein „bussisches“ Nichts.

„Bussisch“ weil es jener Atmosphäre gleicht, die man im Bus, auf dem Weg zur Uni – morgens – oder auf dem Weg nach Hause – abends – erleben kann. Für gewöhnlich sitzt man und schweigt. Es ist eine Lückenzeit, der man einen Nutzen abgewinnen kann, indem man längst überfällige SMS schreibt, die Tagesschau-App durchstöbert – „Quick-politics“ – oder ganz allgemein gesprochen das „Bald“ oder „Später“ organisiert und kommuniziert. Man kann diese Zwischenzeit auch verstreichen und ganz klassisch den Blick schweifen lassen, zunächst aus dem Fenster, dann durch den Bus, ohne wahrzunehmen, dass die nahstädtischen Nutzungsflächen der Landwirtschaft „Felder“ sind und die beiden Erziehungsberechtigten des hier und da ungemütliche Laute von sich gebenden  Babys „Eltern“. Man kann schlafen. All diesem Tun und Nichttun ist eine gewisse Eigenart inhärent, die in jener Zwischenzeitlichkeit gründet: Man handelt oder nichthandelt der Ablenkung wegen, um zu Überbrücken. Das Ziel liegt außerhalb des Busses und das, was im Bus geschieht, ist – vermutlich – seines Selbstzwecks, seiner Kreativität, beraubt. Ob diese theoretische Beschreibung zutreffend ist oder nicht, oft steige ich aus dem Bus ohne dass die Zeit im Bus, mein dortiges Tun und Nichttun, einen bleibenden Eindruck – eine Geschichte – hinterlassen würde.

Neulich war das anders: Da bin ich auch in einen Bus eingestiegen, einen jener kleineren, „Sammeltaxi“ genannt. Da bin ich normalerweise noch mehr auf Sitzen und Schweigen eingestellt, man ist schließlich zumeist alleine und überdies nur kurz unterwegs. Diesmal aber fand ich mich, kaum war die Tür geschlossen, nicht nur in einem Gefährt, das mich von Au Ost zum Hauptbahnhof brachte, sondern auch in einem Gespräch. Das Neubaugebiet „Güterbahnhof“ mit seinen graugroßen Gebäudekomplexen – es wird sicherlich schön, mit Café, mit Kultur – wurde wie sonst auch kein Gegenstand definierter Betrachtung und Reflektion und nur unterunbewusst wahrgenommen, genauso auch die „Blaue Brücke“ und – sofern man links abbiegt, wir aber fuhren geradeaus – die Poststelle. „Ich muss sowieso in die Wilhelmstraße“, hatte er gesagt und hielt dann auch direkt vor dem Hegelbau. Im Aussteigen war ein „Vielen Dank“ inbegriffen und die Freude über einen bleibenden Eindruck:

Am liebsten fährt er die langen Strecken in Richtung der Schwarzwälder Kurortcluster, weil „da kommt man mal raus und das Geld stimmt“. Ach, „und man kommt durch schöne Orte, der ganze Weg ist sehr beeindruckend“. Es gibt Dauergäste, gerade auch ältere Leute, die regelmäßig gefahren werden, weil sie darauf angewiesen sind: „Da kennt man sich dann“. Es ist halt nicht nur „normaler Busverkehr“. Da kommen mehrere Komponenten zusammen: Das „SAM“ ist nur eines davon. Normalerweise sind die Haltestellen da auch vorgegeben – also beim SAM. Aber wenn man alleine drin sitzt und nicht nur das Schweigen betreibt, kann man schon auch mal nachfragen, wie es weitergeht. „Dann können die Haltestellen auch einfach persönlich angepasst werden.“ Gut zu wissen. „Zum Flughafen geht´s auch oft“ und – was festes Gehalt bedeutet – „man ist angestellt“.

Jeder erlebt etwas und kann deswegen Geschichten erzählen. Manche davon sind sehr alltäglichen Klangs, manche überraschend außergewöhnlich, manche informieren, manche werfen Fragen auf, manche erklären, manche brauchen Erklärung. Alle aber – die Ausnahmen mal ausgenommen – haben das Potenzial den  “Alltagsbussismus” zu durchbrechen und Gehalt zu liefern. Geschichtsgehalt. Ein bisschen Überwindung kostet es vielleicht, um vom Sitzen und Schweigen zum Sitzen und Reden zu kommen. Aber da darf man sich nicht so anstellen. Es geht schon irgendwie und manchmal sogar von alleine.

2. Januar 2018
von Jonathan
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„Paula Kahn“ – Nummer 425.

Am Anfang standen eine Zahl, ein Geburtsdatum und ein Name. Paula Kahn. Geboren am 29.03.1895 in Baisingen. Nach Riga deportiert mit der Nummer „425“. Im Rahmen einer universitären Veranstaltung habe ich mich auf den Weg gemacht, die Person hinter diesen Zahlen kennen zu lernen und ihre Geschichte in meinen Alltag zu integrieren. Entstanden ist ein Brief. Ein Brief an Paula Kahn.

29. November 2017
von Hans-Peter
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Narrative des Niedergangs?

Wir seien für „Narrative des Niedergangs“ anfällig, behauptet der Neurowissenschaftler Steven R. Quartz  (Neue Zürcher Zeitung, 31. Mai 2017). Ein Narrativ ist eine „sinnstiftende Erzählung“, also eine Art Interpretation der Wirklichkeit, in die man die Dinge, die man so erlebt, einordnet. Quartz argumentiert ausgehend von der Hirnforschung und biochemischen Prozessen, dass es (offenbar evolutionär bedingt) kognitive und emotionale Voreingenommenheiten bei uns Menschen gibt, die leicht „bedient“ werden können und dann Urängste und Panik auslösen. Dementsprechend regt er an, dass wir uns in „kognitiver Kontrolle“ üben sollten und unsere ersten emotionalen Impulse „zurückbinden“.
Was sich erstmal kompliziert anhört, lässt sich m. E. im persönlichen und gesellschaftlichen Alltag leicht wieder finden: 1. persönlich: es ist draußen kalt/regnerisch, und man denkt: das Wetter wird aber auch von Jahr zu Jahr schlechter; es gibt einen Streit im Büro, und man denkt: „die Atmosphäre hier wird immer schlimmer“; 2. gesellschaftlich: die Medien berichten von Gewaltverbrechen, und man denkt: „diese Verbrechen nehmen immer mehr zu“; man sieht ausländische Menschen auf der Straße und denkt: „wir werden überfremdet“ usw. – Diese Negativ-Reaktionen haben auch negative Folgen: im Persönlichen: Schlechte Laune, im Gesellschaftlichen: die Wahl „falscher Parteien“ (die eben vorallem aus Angst, Frust, Rückzug gewählt werden). Von daher sollte man hier Steven Quartz gut zuhören.
Was aber sagt die Bibel dazu? Bis zu dem hierher Gesagten steht sie nicht im Gegensatz. Steven R. Quartz geht aber noch weiter, wenn er nämlich darlegt, dass die Welt gar nicht schlechter wird, wie die „Narrative des Niedergangs“ uns erzählen. Wenn man die Daten der Welt sammele und sie rational würdige, so Quartz, könne man klar feststellen, dass die Welt immer BESSER werde (er sagt: dass die menschliche Gesellschaft sich umfassend entwickele). Weniger Hunger, weniger Armut, mehr Demokratie, mehr Zugang zu Bildung als noch vor Jahrzehnten und erst recht vor Jahrhunderten. – Steht das nicht im Gegensatz zu den Aussagen Jesu zum Fortgang der, z.B. dass die „Gesetzlosigkeit überhand nehmen wird“ und dass „wer bis ans Ende ausharren wird“, dass der errettet wird? Zeichnet er hier nicht ein Bild davon, dass alles immer schlimmer werden wird? – Nun, Steven R. Quartz´ neurowissenschaftlichen Menschheitsoptimismus teilt er zwar sicher nicht. Aber andererseits scheinen mir die Narrative des Niedergangs auch in christlichem Gewand keine guten Früchte zu bringen („Christen in der AfD!“) – und diesen Narrativen des Niedergangs redet m. E. die Bibel auch nicht das Wort. Der Niedergang des Menschen hat schon längst stattgefunden, als der Mensch durch die Sünde von Gott getrennt wurde. Dies ist nicht durch „Menschheitsentwicklung“ behebbar, sondern allein durch die Erlösung in Jesus Christus. Das ist eine ganz andere Ebene. Der in Christus erlöste Mensch bleibt dennoch zunächst ein Teil der Menschheit. Er ist dazu berufen, ein Zeugnis für die Erlösung zu sein, aber nicht dazu, Narrative des Niedergangs zu beschwören. Möge Gott doch der Menschheit noch eine Weile Gnade geben, was hätten Christen daran zu kritisieren? Sie sollen sogar dafür beten und dazu mithelfen!

8. November 2017
von Hans-Peter
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Ablenkung zum Glauben

Ach, ich wollte eigentlich was ganz anderes sagen und bin dann wieder auf den Glauben zu sprechen gekommen…
Das ist durchaus typisch für RADIO helle welle, weil der Glaube eine schlüsselhafte Beziehung zur „BESTE NACHRICHT“ hat. „Wir leben im Glauben und nicht im Schauen“, schreibt der Apostel Paulus Weiterlesen →

8. Juni 2017
von Jonathan
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Ein Leben, das Geschichten schreibt – ein Gespräch mit Rhetorikprofessor und Buchautor Thomas Vogel

Eigentlich wollte ich mit Prof. Thomas Vogel nur kurz darüber reden, was es mit dem „Storytelling“ auf sich hat. Ich hatte sein gleichnamiges Seminar nämlich ein Semester lang besucht und war Woche für Woche von der unverkopften Kreativatmosphäre angetan. Überrascht durfte ich feststellen, wie leicht es eigentlich ist, eine Geschichte zu erzählen und wie wenig ich davon im Alltag Gebrauch mache. „Mein Opa, der konnte noch Anekdoten erzählen… und Marcel Reich Ranitzky, der auch!“ Und ich? „Haben wir das verlernt?“ – Das war meine Frage. Am Ende ging es dann aber um viel mehr. Das liegt auch daran, dass Thomas Vogel nicht nur ein guter Geschichtenerzähler ist, sondern selbst eine sehr spannende Lebensgeschichte hat. Auszüge davon, kann man in seinem Buch „Hinter den Dingen“ lesen: Als „Bub“ im Sindelfingen der Nachkriegszeit hört er seinen Lehrer in „Nazideutsch“ reden und sagt ihm das auch so. Das hat mich dann noch aufmerksamer gemacht …

 

7. Juni 2017
von Hans-Peter
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Neues von RADIO helle welle

Es gibt jede Woche drei neue Live-Sendungen von RADIO helle welle, dafür bitte Di Mi Do von 8-9 Uhr in Tübingen/Reutlingen UKW 96,6 einschalten – oder weltweit www.hellewelle.de/live.

Einige Beiträge gibt es aber auch hier zu hören, z. B.

(Report vom Marsch des Lebens in Tübingen am 23. April 2017)

(Interview mit dem jüdischen Theologen Jeffrey Seif über Martin Luther)

(Gedanken zur „besten Nachricht“, soundsovielte Version)