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Narrative des Niedergangs?

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Wir seien für „Narrative des Niedergangs“ anfällig, behauptet der Neurowissenschaftler Steven R. Quartz  (Neue Zürcher Zeitung, 31. Mai 2017). Ein Narrativ ist eine „sinnstiftende Erzählung“, also eine Art Interpretation der Wirklichkeit, in die man die Dinge, die man so erlebt, einordnet. Quartz argumentiert ausgehend von der Hirnforschung und biochemischen Prozessen, dass es (offenbar evolutionär bedingt) kognitive und emotionale Voreingenommenheiten bei uns Menschen gibt, die leicht „bedient“ werden können und dann Urängste und Panik auslösen. Dementsprechend regt er an, dass wir uns in „kognitiver Kontrolle“ üben sollten und unsere ersten emotionalen Impulse „zurückbinden“.
Was sich erstmal kompliziert anhört, lässt sich m. E. im persönlichen und gesellschaftlichen Alltag leicht wieder finden: 1. persönlich: es ist draußen kalt/regnerisch, und man denkt: das Wetter wird aber auch von Jahr zu Jahr schlechter; es gibt einen Streit im Büro, und man denkt: „die Atmosphäre hier wird immer schlimmer“; 2. gesellschaftlich: die Medien berichten von Gewaltverbrechen, und man denkt: „diese Verbrechen nehmen immer mehr zu“; man sieht ausländische Menschen auf der Straße und denkt: „wir werden überfremdet“ usw. – Diese Negativ-Reaktionen haben auch negative Folgen: im Persönlichen: Schlechte Laune, im Gesellschaftlichen: die Wahl „falscher Parteien“ (die eben vorallem aus Angst, Frust, Rückzug gewählt werden). Von daher sollte man hier Steven Quartz gut zuhören.
Was aber sagt die Bibel dazu? Bis zu dem hierher Gesagten steht sie nicht im Gegensatz. Steven R. Quartz geht aber noch weiter, wenn er nämlich darlegt, dass die Welt gar nicht schlechter wird, wie die „Narrative des Niedergangs“ uns erzählen. Wenn man die Daten der Welt sammele und sie rational würdige, so Quartz, könne man klar feststellen, dass die Welt immer BESSER werde (er sagt: dass die menschliche Gesellschaft sich umfassend entwickele). Weniger Hunger, weniger Armut, mehr Demokratie, mehr Zugang zu Bildung als noch vor Jahrzehnten und erst recht vor Jahrhunderten. – Steht das nicht im Gegensatz zu den Aussagen Jesu zum Fortgang der, z.B. dass die „Gesetzlosigkeit überhand nehmen wird“ und dass „wer bis ans Ende ausharren wird“, dass der errettet wird? Zeichnet er hier nicht ein Bild davon, dass alles immer schlimmer werden wird? – Nun, Steven R. Quartz´ neurowissenschaftlichen Menschheitsoptimismus teilt er zwar sicher nicht. Aber andererseits scheinen mir die Narrative des Niedergangs auch in christlichem Gewand keine guten Früchte zu bringen („Christen in der AfD!“) – und diesen Narrativen des Niedergangs redet m. E. die Bibel auch nicht das Wort. Der Niedergang des Menschen hat schon längst stattgefunden, als der Mensch durch die Sünde von Gott getrennt wurde. Dies ist nicht durch „Menschheitsentwicklung“ behebbar, sondern allein durch die Erlösung in Jesus Christus. Das ist eine ganz andere Ebene. Der in Christus erlöste Mensch bleibt dennoch zunächst ein Teil der Menschheit. Er ist dazu berufen, ein Zeugnis für die Erlösung zu sein, aber nicht dazu, Narrative des Niedergangs zu beschwören. Möge Gott doch der Menschheit noch eine Weile Gnade geben, was hätten Christen daran zu kritisieren? Sie sollen sogar dafür beten und dazu mithelfen!

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